Heute vor einem Jahr war ich zum ersten Mal auf der Fanmeile beim Public Viewing zu den Fußball-WM-Spielen: England gegen Portugal und Brasilien gegen Frankreich. Das war ein tolles Erlebnis und wider Erwarten kein Gedränge und sehr familienfreundlich. Heute sind die Spuren der WM verschwunden: kein Schwarz-Rot-Gold in den Straßen und die wunderbare Euphorie ist auch verblasst. Heute Abend flammte kurz das alte Feeling auf, als Giovane Elber und Isabel Edvardsson bei der RTL-Sendung „Let’s Dance“ zu Herbert Grönemeyers „Zeit dass sich was dreht“ und Sportfreunde Stillers „’54 ’74 ’90 2010“ mit Brasilien-Trikot und Deutschland-Top tanzten.

Damals fotografierte ich meinen Tag auf der Fanmeile und am Vortag auch meinen mit Deutschland-Flaggen beschmückten Fernseher:

Direkt nach der Rückkehr lud ich die Fotos in der Nacht bei Flickr hoch. Es war mein aller erster Upload bei Flickr – damals noch mit Free-Account, welcher 16 MB Uploads pro Monat erlaubte, was für die Fotos, welche ich mit meiner damaligen Digitalkamera mit 1,6 Mio. Megapixel Auflösung schoss, gerade noch ausreichte.

Diese Kamera ersetzte ich praktisch einige Wochen später durch mein SonyEricsson K800i – ein Handy, auf dessen Erscheinen ich extra wegen der integrierten Digitalkamera wartete. Die ersten Fotos mit dieser Kamera waren dann die Inhalte meines zweiten Uploads bei Flickr. Ich schoss immer mehr Fotos, welche mit 3,2 Megapixel auch bedeutend mehr Datenvolumen im Monat benötigten. So kaufte ich mir den Pro-Account direkt für 2 Jahre. Dieser erlaubte mir damals unvorstellbare 1 GB Uploads im Monat. Hauptgrund für den Pro-Account war nicht so sehr die Volumenbeschränkung des Free-Accounts, sondern die Begrenzung der Sets (Alben) auf drei.

DSC02352 Seit dieser Zeit gehört Flickr zu meinem täglichen Online-Leben. Flickr ist in meinen Augen nach wie vor die Web-2.0-Anwendung schlechthin. Und dies ist auch heute, nach dem „Zensur“-Vorwurf vieler User, immer noch so.

Ich war bei der wunderbaren Launch-Party von Flickr dabei. Es war die weltweit erste Party zum Launch der neuen Sprachversionen von Flickr und der entsprechenden rechtlichen Anpassung, welche zur Zensurkritik führte. Ich bin der Meinung, dass es schwierig ist bei so einer offenen Plattform wie Flickr den Jugendschutz- und Datenschutzbestimmungen der diversen Länder zu entsprechen. Ich kann sowohl die Kritik, als auch die notwendige Klassifikation von Flickr-Accounts verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass Flickr eine andere Methode zur Wahrung der rechtlichen Rahmen einführen wird, sobald sich ein praktikabler Weg ergibt. Konstruktive Kritik ist hier sehr angebracht, zumal das Flickr-Team im Gegensatz zu vielen anderen einen intensiven Dialog mit ihrer Community führt.

24 Stunden Flickr in Berlin 24 hours of Flickr in Berlin 019 Dadurch, dass es sich um die erste Launch-Party handelte, wusste ich zum Zeitpunkt der Party leider nichts über die Account-Klassifikation und ihre Folgen, sonst hätte ich die Community-Managerin Heather Champ oder die Mitarbeiterin Tara Kirchner oder Kakul Srivastava in unserem Gespräch sicherlich darauf angesprochen.

Es waren übrigens sehr herzliche, angenehme und aufschlussreiche Gespräche. Bemerkenswert fand ich, wie offen die Flickr-Manager auf die Anwesenden zugingen und alle persönlich herzlich willkommen hießen und das Gespräch suchten. Ich konnte viele Kritikpunkte anbringen und vieles Hinterfragen. Es sind wirklich sehr liebe, intelligente Leute und ich kann mir gut vorstellen, dass die Arbeit bei Flickr unheimlich Spaß machen muss. Dafür spricht auch die Organisation der tollen Party mit fantastischem Ambiente, freien Drinks und Häppchen, guter Musik und noch besserer Stimmung. Sehr liebevoll waren auch die Geschenke: Ein Polaroid-Foto auf Flickr-Papier bei der Ankunft, das Buch zur Gruppe 24-Stunden Flickr, ein praktisches Linsenreinigungsledertuch im Flickr-Täschchen, ein Flickr-T-Shirt zum Launch, Sticker, Autoaufkleber und Buttons.

Lele Dainesi No Flickr zieht natürlich auch ein interessantes Publikum an. So sprach ich z.B. kurz mit dem Plazes-Gründer Stefan Kellner und einem seiner ersten Programmierer, dessen Namen mir leider entfallen ist. Zusammen mit meinen Arbeitskollegen sprach ich auch den italienischen Journalisten Lene Dainesi, der extra wegen der Veranstaltung angereist war.

24 hours of Flickr in Berlin 066 Daniel Brühl war auch auf der Party. Ich hatte ihn aber nicht erkannt und gesprochen, aber Tim Lehmann hat ihn fotografiert. Und wer weiss, wer noch alles da war …

24 hours of Flickr in Berlin 099 DSC02449 Übrigens lernte ich Tim Lehmann erst nach der Veranstaltung auf dem Heimweg im Bus kennen. Wir erkannten uns an dem ganzen Flickr-Zeugs und kamen ins Gespräch, was die Heimfahrt angenehm kürzer erschienen ließ.

Mittlerweile habe ich exakt 6900 Fotos in meinem Flickr-Photostream und ich bin froh über die mittlerweile unbegrenzte Uploadmenge, welche ich für meine Sony Alpha A100 mit Ihren 10,2 Megapixeln auch dringend brauche. Ich benutze Flickr übrigens als Online-Backup-Archiv aller Fotos, die ich schieße. Ich lade also wirklich jedes einzelne Foto unabhängig von der Qualität des Fotos hoch. Mir interessant erscheinende Fotos stelle ich in meiner Galerie aus. Freunde und Familienmitglieder sehen viel mehr Fotos meines Streams. Ich veröffentliche Fotos von Personen nur von Massenveranstaltungen. Privatfotos bleiben solange privat, bis ich eine Erlaubnis zur Veröffentlichung habe. So bleiben die meisten meiner Fotos der Öffentlichkeit vorenthalten.

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Ein Jahr mit Flickr by tamio is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 4.0 International
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2 Kommentare

Sabi · 2. Juli 2007 um 12:55

Jetzt mal weg von der ganzen Zensurgeschichte – oder doch ein paar kurze Worte dazu:

Ich habe selbst keine Bilder, die zensiert wurden und ich möchte auch keine Bilder von nackter Haut sehen, das ist bah! Trotzdem stört es mich, dass ich das nicht könnte, wenn ich es wollte, dass ich bevormundet werde. Darüber kann man diskutieren. Sowohl darüber, ob Einschränkungen gemacht werden müssen (liegt es an den Gesetzen oder liegt es nur an einer Fehldeutung der Gesetze?) und darüber, wie sie gemacht werden (menschlich per Hand, was einen erhöhten Arbeitsaufwand bedeuten würde oder automatisch, was merkwürdige Auswüchse beschert hat). Gut, darüber hätte man diskutieren können, aber genau das wurde es nicht, womit ich zum nächsten Punkt komme, der viel schwerwiegender ist: der Informationspolitik.
Die Änderungen wurden einfach durchgeführt, ohne vorherige Ankündigung. Und auch die Ankündigung, dass es jetzt so ist (If your Yahoo-ID is based in…) kam erst viel später. Du schreibst ja selbst, du wusstest bei der Launchparty nicht mal was darüber. Spätestens dort hätte man darüber informieren können.
Das kann man in einer Firma tun, in der strikt von oben entschieden wird, was ich auch nicht so prall finde. Bei einer Community, die von ihren Mitgliedern (hier: den Betroffenen) lebt, wird das ganze aber sehr heikel, besonders, wenn die Mitglieder auch noch dafür bezahlen. Die fühlen sich dann schnell verprellt. Statt dann, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war, es also ohnehin schon fast zu spät war, noch zu versuchen, was zu retten, wurden die nächsten Kommunikationsfehler begangen. Statt sich der Diskussion zu stellen, wurden ganze Accounts "restricted", gesperrt und es gab patzige Antworten auf Supportanfragen "Dann geh doch, der Löschbutton ist hier."
Du hast den Anfang nicht mitgekriegt, oder? Hätte ich erst 'ne Woche später reingeschaut, wäre mir das ganze auch ziemlich befremdlich vorgekommen. Ich war allerdings unter den ersten 50 Gruppenmitgliedern und habe die Anfänge mitbekommen, da war ich doch ziemlich entsetzt. Nach 3 Tagen habe ich schon nicht mehr reingeschaut, die Diskussion wurde mir zu destruktiv und ich wollte eigentlich nur fotografieren.
Ich denke ebenfalls nicht, dass es flickr geschadet hat, ich glaube kaum, dass sie es großartig bemerken werden, dass jetzt ein paar Deutsche weniger mit von der Partie sind, und so ein Riesenkonzern kann so ein bisschen negative Schlagzeilen verkraften. In ein paar Monaten kräht kein Hahn mehr nach censr.
Wie gesagt, darüber kann man diskutieren, man kann unterschiedlicher Meinung sein und eigentlich wollte ich dazu auch gar nix sagen, oder dann doch nur ein paar kurze Worte loswerden. Ist ein ganzer Absatz geworden.
Müssen wir nicht drüber reden. Warum ich mich eigentlich zu Wort melde, hat einen anderen Grund:

Es ist der Anspruch, den man an so eine Community hat. Du schreibst selbst, für dich ist flickr eine Möglichkeit, sämtliche Fotos von dir zu backupen. Mein Anspruch war immer ein anderer.
Du weißt, wie sehr ich mich anfangs gegen flickr gewehrt habe. "Das haben ja alle". 'Alle' bedeutete hier jede Menge unqualifizierte Sinnloskommentare, das 328. unscharfe "Babys erstes Bäuerchen" und das 752. abgeschnittene "Kater im Katzenklo"-Foto.
Mir ging es um die Community, konstruktives Feedback und inspirative Fotos. Die Kommentare auf meine 5, 6 Protestbildchen nervten mich ziemlich schnell, einfach nur irgendein Quatsch, der nix mit dem Bild zu tun hatte, sondern nur dazu da war, die Bilder schnell ins Explore zu jagen. Ich hatte innerhalb weniger Minuten mehr Views, Votes und Kommentare auf Unsinnsbilder als ich auf meine wirklich guten in mehreren Monaten je erhalten habe, mit dem Feedback konnte ich allerdings überhaupt nix anfangen, obwohl ich mir echt Mühe gegeben hatte und irgendwie fühlte ich mich plötzlich noch fehler am Platz als ich mich vorher bei flickr eh schon immer fühlte.
Und dann kam auch noch der entscheidende Punkt hinzu. Plötzlich verschwanden meine eh schon wenigen Kontakte einfach, löschten sich in – in meinen Augen völlig überstürzten – Hau-Ruck-Aktionen, benannten sich um, überfluteten ihren Account mit grauen Bildern oder wurden einfach inaktiv. Und so passierte es nicht nur mit meinen Kontakten, sondern auch mit den Leuten, deren Bilder ich mir ansonsten einfach nur so mal gerne anschaute, ohne sie zu meinen Kontakten zu zählen.
Und so stand ich dann da. Schau einfach mal in meine Kontakte: es sind gerade mal noch 5 und der einzige, der von denen noch aktiv ist, bist du.
Das alles geschah innerhalb von 2 oder 3 Tagen.
Und während sie auf flickr gerade das 10.000ste Against-Mitglied feierten und das 5.000ste censr-Bild mit censr-Bild-Kommentaren zuspammten, fotografierte ich bereits wieder, hatte meine kleine Nischen-Community wiedergefunden, sie gar verdoppelt ohne aber auch nur ein sinnloses "Nice pic"-Kommentar unter oder ein *kissykissy*-Note auf ein Bild von mir zu kriegen, bin stattdessen aber in rege Diskussionen verwickelt, bekomme und gebe konstruktives Feedback und sehe jede Menge inspirierende Bilder.
Dennoch werde ich meinen flickr-Account nicht löschen, ich werde auch meine Bilder dort lassen und genauso werde ich auch weiterhin immer mal wieder reinschauen, aber flickr war nie so ganz meins.
Aber ich verstehe auch Menschen, die bei flickr bleiben, oder die sich andere Plattformen wie smugmug oder photobucket (von der Größe her übrigens eher _die_ Web 2.0-Plattform) suchen, wenn sie einen anderen Anspruch haben.

Und ich kaufe ja selbst auch noch Lion, After Eight und Maggi Fix für Spaghetti Napoli, auch wenn Nestlé kleine Kinder in Afrika tötet. 😉

tamio · 2. Juli 2007 um 23:33

Hui, fette Antwort 😉 …

Tja, also ich bin mit der Community nach wie vor zufrieden – kommt natürlich drauf an, wo man mit wem, wie aktiv war. Ich finde die Hysterie – genau wie Du – mächtig übertrieben. Vor Monaten wurden die Accounts klassifiziert und man hatte seitdem jederzeit die Möglichkeit einen Antrag auf Überprüfung zu stellen, wenn man mit der Klassifikation nicht einverstanden war. Und das wurde ganz klar kommuniziert.

Was den Jugend- und Datenschutz angeht ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in der Tat sehr strikt. Ich habe letzte Woche mit einem Unternehmensvertreter gesprochen, dessen Unternehmen sich ausschließlich auf die Altersverifikation in Deutschland spezialisiert hat. Der Vertreter dieses Unternehmens hatte am selben Tag einen Termin bei Bundestagsabgeordneten, um mit Ursula van der Leyen technische Möglichkeiten zu eruieren, Computer-Online-Spiele mit einer Altersverifikation zu versehen. Die Altersverifikation erfordert eine Face-to-Face Überprüfung mit Ausweiskontrolle. Dazu gibt es zum Einen das Postident-Verfahren und zum Anderen die Möglichkeit zu Überprüfen, ob derjenige der Kontoinhaber eines Girokontos ist, was durch eine Buchung und Rückbuchung mitsamt einer Übermittlung einer PIN über den Überweisungstitel überprüft wird. Flickr könnte dieses Verfahren anwenden. Dies würde aber bedeuten, dass jeder, der sich bei Flickr registriert bzw. schon registriert war, eine solche Überprüfung über sich ergehen lassen muss und zudem dafür auch die entsprechende Gebühr tragen müsste. Ich möchte nicht wissen, was das für einen Aufschrei in der Community gegeben hätte. Zudem müsste dies international geschehen, was ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Im FAQ zu den Filtern steht ganz eindeutig, dass es aus rechtlichen Gründen eine Einschränkung in der Suche geben muss und dies ist definitiv richtig.

Ich denke, dass auch folgende kleine Änderungen mit dem Datenschutz zu tun haben: Das Alter eines Mitglieds wird im öffentlichen Profil nicht mehr angezeigt und der "del.icio.us"-Link wurde durch "An einen Freund senden" (per E-Mail) ersetzt.

Die "Bevormundung" findet also nicht durch Flickr, sondern durch das deutsche Gesetz statt. Ich möchte gerne wissen, welche Alternativen Flickr hat, eine Community von zig-tausend von Usern bei der Internationalisierung gesetzeskonform zu halten. Es ist doch vorbildlich, dass ein Unternehmen nationale Gesetze respektiert.

Was die Kommunikation betrifft, so finde ich auch, dass Flickr hier gerade für die deutschen User die Hintergründe pro-aktiv hätte kundtun können. So wäre die Hysterie sicherlich nicht so ausufernd gewesen.

Aber wie sagt Flickr selbst: Sometimes we suck ;-).

Ich warte gespannt auf eine Stellungnahme von Flickr. Zumindest würde es dem bislang üblichen Stil entsprechen.

Übrigens steht es jedem frei einen englischen oder amerikanischen Account zu erstellen und seinen Accont zu transferieren. Ob der Transfer mit der offiziellen Funktion auch geht, weiß ich allerdings nicht. Und wer Pfui-Bilder sehen möchte, hat im Internet gut Chancen solche zu finden … das Internet besteht nicht nur aus Flickr 😉 …

Was prekäre Inhalte betrifft, so widerstrebt mir die restriktive Art der Fotocommunity mehr, als die mißlungende Kommunikation von Flickr. Flickr ist im Vergleich sehr viel offener und umfassender.

In welcher Community bist Du denn aktiv?

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